Pfeilgiftfrösche in Nordhessen

Blattläuse

"Die Blattläuse oder Aphidoidea gehören zu den Pflanzenläusen (Sternorrhyncha). Von den 3000 bekannten Arten leben in Mitteleuropa etwa 850. Alle Blattläuse ernähren sich von Pflanzensaft." "Massenvermehrung durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) ist weit verbreitet."  soweit Wikipedia

>Massenvermehrung< ein Graus für Bauern und Hobbygärtner, hinterlässt dieser Begriff bei uns Froschhaltern glänzende Augen. Die Blattlaus setzt bei ihrer Vermehrung auf die sogenannte R-Strategie. Sie weisen also eine hohe Reproduktionsrate auf. Sie produzieren zu Beginn ausschließlich Individuen, die neue Individuen produzieren können: Weibchen. 

Sie sparen sich also erst einmal die ganze Sache mit dem Sex. Erst später kommen die Männchen ins Spiel um die genetische Material neu zu kombinieren. Dieses Stadium ist für unsere Futterzucht aber nicht von Belang.

Blattläuse satt


Die Vermehrung der Blattläuse ist auch überhaupt kein Problem und geht wie von Zauberhand hat aber einen Haken. Das Problem liegt hierbei in der Bereitstellung von geeigneten Wirtspflanzen. Die Anzucht von, in meinem Fall Erbsenpflänzchen, ist nicht ohne. Sehr lange habe ich mich mit verschiedenstem Saatgut herumgeplagt. 

Wichtig ist gutes Saatgut um kleine Pflänzchen zu erhalten. Taubenerbsen, grüne Erbsen, Schälerbsen, gelbe Erbsen - alles in vielen Versuchen ausprobiert und immer wieder kläglich gescheitert. Wenn man sich abmühen muss, die ein oder zwei kleinen Pflänzchen am Leben zu erhalten, macht das alles wenig Freude. Hatte man dann ein paar Stengel aufgepäppelt, waren die Läuse meist schon auf und davon.

mein aktuelles Saatgut

Mein Problem konnte erst mit frischem Saatgut gelöst werden. Hier muss man also immer darauf achten, dass die getrockneten Erbsen nicht schon zu lange in irgendeiner Ecke auf ihre Verwendung warten. Zurzeit nehme ich Erbsen aus unserem hiesigen EDEKA-Markt. Im Internet hatte ich mich nach einem geeigneten Substrat für die Zucht erkundigt und war dort auf Kokosstreu gestossen. Da ich davon genug vorrätig hatte, gab ich meine vorgequollenen Erbsen nun also auf eine Schicht davon.

Erbsen im Wasserbadgequollene Erbsen


Allerdings fanden nicht nur die kleinen Erbsenpflanzen diese Kokosstreu gut. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich Unmengen von Trauermücken in den Dosen. Wo die so plötzlich herkamen, kann ich nicht sagen aber sie vermehrten sich rasend schnell in meinem Kokosstreu. Es musste also etwas anderes gefunden werden. Ich hatte schon einmal mit der Anzucht auf Küchenkrepp experimentiert. So richtig wollten sich die Wurzeln der Sämlinge darin aber nicht verankern. Dazu trocknete das Papier immer sehr schnell aus.

Also musste umgedacht werden. Christmann berichtet kurz von einer Bohnenzucht für seine Blattläuse auf gewässertem Schaumgummi. Ich versuchte es noch einmal mit dem Küchenkrepp und als Behältnis nahm ich handelsübliche Salatdosen. Die haben eine Höhe von ca. 4 cm und sind sehr stabil. Zunächst kommt eine Schicht Watte in die Dose worauf eine Lage klein geschnittenes Küchenkrepp kommt. Das wiederholt sich dann noch einmal. Es befindet sich jetzt Watte - Krepp - Watte - Krepp in der Dose. Diese Lagen werden feucht gemacht und darauf kommen die vorgequollenen Erbsen.

erste Schicht Wattezerkleinertes Küchenkreppbefeuchtetes Substrat


Auf die Erbsen kommt eine baugleiche, leere Dose in der ein kleiner Stein liegt um etwas Gewicht auf die Saat auszuüben. Man kann auch mehrere Dosen ansetzen und übereinander Stapeln. So abgedeckt kommen sie an einen dunklen Ort und die Erbsen haben Zeit Wurzeln und Spross auszubilden. Nach zwei Tagen ist beides schon gut zu erkennen und nach dem dritten Tag fangen die Sprosse an sich einzufärben. Das ist für mich das Zeichen, meine Erbsen ins Licht zu überführen.

die Erbsen auf dem Krepp verteiltabgedeckt und beschwertnach zwei Tagen


erfolgreich gekeimt

Sind die kleinen Pflänzchen etwa 3 Zentimeter hoch gewachsen, kommen sie neben die älteren Behälter. Die Läuse finden sehr schnell die neuen Erbsen und besiedeln sie. Meine Erbsen stehen dabei unter einer LED Leuchte die ca. 12 Stunden am Tag brennt. Ab und zu gießt man die Schalen ein wenig. Dazu benutze ich das Wasser aus den Quappenbechern.

Update 12/2020:

Mittlerweile verwende ich statt dem Küchenpapier mehrlagiges Toilettenpapier. Funktioniert genauso gut, lässt sich aber später viel besser aus den Dosen herausholen und entsorgen.

Literatur


  • BRUSE Frank, Dr. MEYER Michael, SCHMIDT Wolfgang, Praxis Ratgeber Futtertiere; Artenteil - Große Mitteleuropäische Bohnenblattlaus: S. 71-73
  • SPERL Ina Das grüne Wunder - Das geheime Zusammenspiel der Tier- und Pflanzenwelt im Garten entdecken S.55