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Wiesenplankton:

 

Hat man eine naturbelassene Grünfläche in seiner Nähe kann man hier einen Teil seines Froschfutters erbeuten. Man braucht dazu nur einen feinmaschigen Kescher und ein paar Behältnisse mit Schraubverschluss. Die hier vorkommenden Insekten bieten unseren Tieren viele Bestandteile die wir bei einer Futtertierzucht nur schwer oder gar nicht zur Verfügung stellen können. Ein weiterer Nachteil der gezüchteten, flugunfähigen Fruchtfliegen ist ihre relative Unbeweglichkeit. Die Frösche können mit einem Minimum an eigener Bewegung große Mengen dieser Futtertiere in sich hinein stopfen.

Abhilfe hierbei schaffen fliegende Futtertiere oder eben in "freier Wildbahn" gefangene Fliegen. Daher bin ich, so oft es Zeit, Lust und Wetter zulassen, mit meinem Kescher auf unserer Gartenwiese unterwegs um Insekten für meine Frösche zu fangen. Ein gut eingewachsenes Grundstück bewahrt mich dabei vor allzu neugierigen Blicken meiner Nachbarn. Beim Anblick eines Mitbürgers, der wild Kescher schwingend über eine Wiese läuft, hätte ich früher wohl auch zuerst an einen Fall für die Psychiatrie gedacht. 

Da unsere Wiese immer recht kurz geschoren ist, (der Vorteil eines Rentners im Haus), muss ich mich dabei auch nicht durch hohes Gras quälen und erbeute eigentlich immer recht kleine Insekten. All dies Krabbelzeugs von der Wiese wird dann so schön neudeutsch "Wiesenplankton" genannt und in die, bei der Zucht der Fruchtfliegen beschriebenen Teegläser, geschüttelt. Man sollte dabei vorher einen kurzen Blick in den Kescher werfen damit man nicht eine Biene oder Wespe erwischt hat. Das mehr zum eigenen Vorteil wie man sonst sehr schmerzhaft beim Entleeren des Keschers feststellt.

 

(1) mein "Schadinsekt" bei der Fortpflanzung
(2) man kann auch Andere die Arbeit machen lassen

 

Manchmal sind auch große oder wehrhafte Tierchen in meinen Gläsern. Nun sollen die gefangenen Insekten weder eine Gefahr für die Frösche darstellen noch auf Grund ihrer Größe wochenlang im Terrarium umher schwirren. Zum Trennen kommt hier ein Deckeleinsatz mit größerer Maschenweite zum Einsatz. Durch die Lochgröße von ca. einem Millimeter können dann nur recht kleine Insekten hindurch kriechen. Für den verlustfreien Transport können die Deckel mit Gaze und einem Gummiring abgedeckt werden.

Stellt man das Glas mit solch einem Deckel aufrecht in ein Terrarium ist das geeignete Wiesenplankton schon nach kurzer Zeit heraus gekrochen. Der Rest ist jetzt Sache unserer Frösche. Alle im Glas verbliebenen Insekten werden später wieder freigelassen.

Man glaubt gar nicht mit welcher Hingabe selbst große, eigentlich Boden bewohnende Frösche wie Dendrobates tinctorius „Azureus“ die Wände empor klettern. Hier direkt unter der Beleuchtung sammeln sich die meisten flugfähigen Insekten und werden nach und nach von den Fröschen erbeutet.

Durch das Fangen von Wiesenplankton habe ich mir auch eine Insektenart in meinen Keller geholt die mich bald zum Wahnsinn getrieben hat. Es sind etwa 3-4 mm kleine, schwarze Fliegen. Gut zu erkennen sind sie während der Kopulation, bei der sie an den Hinterteilen zusammen hängen (Abb. 1). Sie werden von meinen Drosophila Kulturen magisch angezogen und da sie sehr schlank sind, kommen sie sogar durch die "Drosophila sichere" Edelstahlgaze. Erst einmal in die Zuchtkultur eingedrungen verdrängen sie sehr schnell die Fruchtfliegen und vermehren sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Zu ihrer Beseitigung wurden so viele Fliegen wie möglich mit der Hand gefangen und in einem Aquarium an Jungfische verfüttert. Sehr viele verendeten auch an den aufgehängten Fliegenfängern und die all gegenwärtigen Weberknechte in meinen Kellerecken lebten in dieser Zeit auch nicht schlecht.

Die Zuchtkulturen der Drosophila wurden zusätzlich mit Gaze abgedeckt. Geholfen hat das alles lange nicht. Unverwüstlich schwirrten die kleinen Plagegeister weiter durch meinen Froschkeller und brachten mich zur Verzweiflung. Erst die Wintermonate machten den Spuk ein Ende. Warum sie auf einmal verschwanden kann ich nicht genau sagen, aber ich weiß - sie kommen wieder.

 

 

Literatur:

???

 

 

©2008 Kaktusfisch ; letzte Änderung 04.11. 2008