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Ofenfischchen, Thermobia domestica:

 

Ofenfischchen gehören zu den sogenannten Urtierchen. Ihre Zucht ist sicher die am wenigsten arbeitsintensive meiner verschiedenen Futterzuchten.

Nur einen großen Nachteil haben sie. Sie brauchen sehr viel Wärme. Nicht umsonst heißen sie "Ofen"-fischchen. Erst bei Temperaturen über 35°C setzt eine erfolgreiche Vermehrung der Tierchen ein. Aus diesem Grund stehen die Behälter bei mir direkt auf einem Heizkörper.

Verwendet werden nicht zu kleine Plastikbehälter, von etwa 20 x 20 x 25 cm (L x B x H), die mit einem Deckel verschlossen sind. An den trockenen, glatten Wänden können die Ofenfischchen nicht empor klettern. Die Behälter erhalten einen Deckel da die Tierchen, bei der später unweigerlich eintretenden Verschmutzung der Wandflächen, sehr wohl in der Lage sind, nach oben zu gelangen.

In die Behälter kommen Eierkartons, Papprollen und Ähnliches (Abb. 1). Als  Eiablageplatz kommt ein Wattebausch mit hinein. Um eine angemessene Luftfeuchtigkeit zu gewähren steht ein altes, mit Gaze abgedecktes Schnapsglas im Behälter. Allerdings darf sich kein Kondenswasser an den Seitenwänden absetzen. Tritt dies ein, muss man für mehr Lüftung sorgen, in dem man den Deckel etwas öffnet. Allerdings sind die Tiere dann in der Lage, an der beschlagenen Wand nach oben zu klettern. Ist man kein Freund freilaufender Futtertiere, sollte man die Behälterwände mit einem Haushaltspapier trocken wischen.

Da die Entwicklungszeit sehr lang ist, stehen bei mir zur Zeit fünf Behälter. Gefüttert wird mit verschiedenen Sorten Flockenfischfutter. Man kann aber auch Weizenkleie, Hundeflocken, Haferflocken, Mehl oder Ähnliches geben. Hauptsache es ist trocken. Vergisst man einmal zu füttern machen sich die Tiere auch über ihre Einrichtung aus Pappe her. Solange die Behälter trocken sind, ist die Zucht der Ofenfischchen eine völlig geruchlose Angelegenheit.

 

(1) Frisch angesetzter Zuchtbehälter
(2) Ofenfischchen im Terrarium

 

Zur Entnahme schüttelt man die Ofenfischchen einfach in kleine Becher. Die Papprollen haben dabei noch einen weiteren Vorteil. Da sich auch die ausgewachsenen Tiere noch regelmäßig häuten, sammelt sich nach einiger Zeit eine Schicht aus abgestorbenen Teilen und Kot im gesamten Zuchtbehälter. Das wirkt sich nicht weiter negativ auf die Zucht aus aber beim Abschütteln der Tiere vom Eierkarton befindet sich ein großer Teil dieses Abfalls zusammen mit den Ofenfischchen in unseren Bechern. Von den senkerecht stehenden Papprollen kann man die aufsitzenden Ofenfischchen später ohne diesen Abfall in einen kleinen Becher schütteln. Sicherheitshalber kann man dies über einem größeren Eimer machen damit am Becher vorbei fallende Tiere nicht auf die Flucht gehen können.

Füttert man im Terrarium mehr als die Frösche sofort erbeuten, klettern die Ofenfischchen recht flott an der Einrichtung nach oben und verhalten sich dann so ruhig, dass sie hier von den Fröschen nicht mehr wahrgenommen werden. Nun kann man die Futtertiere auch in einer kleinen Schale mit sehr glatten Wänden servieren. Dass bei unseren Fröschen, durch das Flüchten der Ofenfischchen, der Jagdtrieb geweckt wird, empfinde ich jedoch durchaus als positiv. In der oberen Terrarienecken hängende Futtertiere puste ich daher lieber wieder mit einem kleinen Schlauch zurück auf den Boden.

Schafft man es vor dem Füttern die kleinen Exemplare von den Größeren zu trennen, hat man auch ein sehr gutes Futter für Jungfrösche oder kleinere Arten. Genügend Stellfläche voraus gesetzt kann man auch einen Wattebausch aus einem alten Zuchtbehälter in einen Neuen überführen und die nach einiger Zeit schlüpfenden Jungtiere dann verfüttern.

Alle meine verschiedenen Pfeilgiftfrösche stürzen sich geradezu gierig auf die angebotenen Ofenfischchen. Später erworbenen Fröschen kann man sofort ansehen ob sie schon mit diesen Futtertierchen zu tun hatten. Sie brauchen dann eine gewisse Zeit um sich an die Ofenfischchen zu gewöhnen.

 

 

Literatur:

 

ACKERMANN Thomas (2009): Das Ofenfischchen (Thermobia domestica) - einfacher geht`s nicht!, in Faszination Pfeilgiftfrösche Journal No.8, S. 74-77

 

BRUSE Frank, Dr. MEYER Michael, SCHMIDT Wolfgang (2003, 2008): Praxis Ratgeber Futtertiere; Artenteil - Ofenfischchen: S. 54 -60

 

SCHMIDT W.: Das Ofenfischchen (Thermobia domestica) - Eine ideale Bereicherung des Speiseplans für zahlreiche Terrarienpfleglinge, in  Reptilia 34

 

WAGEMANN Marco, (2006): Die Ofenfischchenzucht - eine Möglichkeit, mit geringem Aufwand für ein wenig Abwechslung im Speiseplan unserer Vivarientiere zu sorgen!, in DRACO Lebendfutter Nr.28, S. 58-63

 

WERNER UWE, (2010): Urinsekten als Fischfutter: Wir züchten Ofenfischchen, in DATZ 4/2010, S. 18-21

 

 

 

©2008 Kaktusfisch ; letzte Änderung 14.02. 2011