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Springschwänze:

 

Eine ergiebige, gut funktionierende Springschwanzzucht ist eine wichtige Voraussetzung um überhaupt an die Zucht von Pfeilgiftfröschen zu denken. Auch hier habe ich viel ausprobiert. Angefangen wurde mit vielen kleinen 500 Gramm Salatbechern. Bei über 40 Dosen fehlte es aber bald an der Zeit die Springschwänze regelmäßig zu versorgen. Trotz alledem ging es eine Weile gut. Bis ich fast über Nacht anstelle der beabsichtigten Futtertiere nur noch Milben in der Dose hatte. Alle Versuche diese Plagegeister wieder loszuwerden scheiterten. Effektiv bei ihrer Vernichtung war nur die Mikrowelle. Allerdings war das Ergebnis dann ein völlig lebloses Substrat.

Nun werden Milben z.B. von meinen jungen "Tinctorius" gefressen. Deswegen bin ich aber nie auf die Idee gekommen Milben weiter zu vermehren. Man hat doch irgendwie ein ungutes Gefühl bei diesen Tierchen. Also bin ich wieder von den kleinen Döschen weggekommen und verwende nun größere Behälter (Abb. 1).

 

(1) Eimer für die Zucht tropischer Springschwänze
(2) grobe Kokosflocken als Zuchtsubtrat

 

Im Moment (Stand Dez. 2009) züchte ich drei verschiedene Arten Springschwänze. Zwei tropische und eine einheimische, weiße Art. Alle Versuche weitere Arten aus dem Wald oder dem Garten zu kultivieren sind bisher leider fehlgeschlagen. Trotzdem sollten hier weitere Versuche durchgeführt werden, da es auch in unseren heimischen Gefilden viele verschiedene Arten gibt, die dabei Endgrößen von 0,2 - 10 Millimeter erreichen. Hier tut sich also ein weites Betätigungsfeld auf.

Die beiden tropischen Arten unterscheiden sich hauptsächlich in Größe und Färbung. Die kleinere Art ist weiß, die Größeren gehen farblich leicht ins Bräunliche (Abb. 4). Beide Arten vermehren sich bei mir am besten in ausgedienten 10 Liter Fischfuttereimern. Abgedeckt werden sie mit dem dazu gehörigen Deckel. In dieser Abdeckung sitzt mittig ein ca. vier Zentimeter grosses Lüftungsloch. Da ich die Tierchen noch nie an der Eimerwand gesehen habe verschließe ich diese Öffnung nicht mit Gaze.

Zurzeit stehen 15 Eimer zur Fütterung bereit. Bei dieser Menge kann man guten Gewissens fast jeden Tag Springschwänze füttern. Dabei stehen die Eimer im Froschraum in den oberen Etagen bei ca. 25°C. 

Als Untergrund nehme ich die verschiedensten Materialien. Grobe und feine Kokosstreu, Gartentorf, Holzkohle, Presskork - hier muss man ein wenig experimentieren um das Richtige zu finden. Egal was man verwendet, das Substrat sollte niemals ganz austrocknen. Obenauf kommen einige Presskorkstücke (Abb. 2). Die Substratoberfläche wird bei jedem Füttern der Springschwänze mit der Handspritze angefeuchtet.

 

(3) Schwarztorf als Zuchtsubtrat
(4) " große" tropische Springschwänze

 

Nachdem die "Einheimischen" lange in recht großen Behältern unter den Terrarien standen (Abb. 6), stehen sie mittlerweile ebenfalls in Eimern im oberen Regalbereich. Hier entwickeln sie sich, zu meiner Überraschung, viel besser als bei den kühleren Temperaturen am Boden.

Als Substrat kommt feine Kokosstreu und Schwarztorf zum Einsatz, dass ich ein wenig feuchter halte als bei den Ansätzen der tropischen Arten. Besonders die kleinsten Springschwänze sammeln sich oft in unglaublichen Mengen auf dem Presskork. Vom Presskork (Abb. 3) kann man die Futtertiere dann problemlos in kleine Dosen (Abb. 4) abklopfen. Zum Verfüttern schütte ich die Springschwänze auf einen flachen Dosendeckel und puste sie in das Terrarium.

Gefüttert werden alle Springschwänze seit einiger Zeit bevorzugt mit Trockenhefe. Der Preis hält sich durch den Kauf von Grossgebinden in Grenzen. Dabei wird nur gefüttert wenn alles vom alten Futter aufgefressen ist. OTT berichtet schon 1999 in der DATZ von einer Futtermischung aus Honig und Trockenhefe. Mit diesem sogenannten HH-Teig hat er gute Erfahrungen bei der Fütterung seiner Zuchten gemacht.

Wichtig bei einem Neuansatz ist, mit einer hohen Besatzdichte zu starten. Beginnt man mit zu wenigen Tieren kommt die Vermehrung nicht so recht in Gang. Aus einem gut laufenden Eimer kann man, bei einer nicht zu übermäßigen Entnahme, sehr lange füttern. Trotzdem ist es sehr wichtig die Springschwanzkulturen regelmäßig neu anzusetzen. Spätestens wenn der Anteil der winzigen Jung-Springschwänze anfängt weniger zu werden, sollte man rigoros neu ansetzen.

 

(5) "einheimische" Springschwänze
(6) Behälter für "einheimische" Springschwänze

 

Über negative Erfahrungen bei der Fütterung von Springschwänzen kann man bei CHRISTMANN lesen. Junge Oophaga histrionicus wurden von den Futtertierchen so stark gestresst, dass sie wenig später tot im Terrarium lagen. Hier sollte man also vorsichtig vorgehen.

Alle meine Pfeilgiftfrösche aber stürzen sich regelrecht auf die angebotenen Springschwänze. Und eigentlich kann ich die Nachfrage auch mit meinen sehr zahlreichen Zuchtbehältern kaum decken.

 

(7) Dose mit lockerem Substrat
(8) Die Dosen sind stapelbar

 

Daher setze ich große und kleine tropische Springschwänze seit kurzem auch wieder in einer anderen Methode zur Zucht an. In stapelbare Kunststoffschalen kommt ein Kokosstreu / Gartentorf Gemisch (Abb. 7), welches gerade noch feucht gehalten wird. Wichtig ist die lockere Beschaffenheit dieses Substrates. Auch die kleinen Kunststoffdosen stehen in einer der oberen Etagen des Froschraumes (Abb. 8).

Zum Neustart ist eine nicht zu kleine Menge Springschwänze nötig. Lieber etwas mehr in eine Schale, als die gleiche Menge auf zwei Behältnisse verteilt.

Von aussen kommt abschließend eine gut leserliche Beschriftung mit Springschwanzart und Ansetzdatum drauf.

 

(9) ungewollt: giftgelbe Pilze im Zuchtgefäß

 

Als Futter verwende ich hier, mit einem Küchenmixer staubfein zermahlenes Hundefutter. Diese Futterflocken werden als Trockenfutter in großen Gebinden im Fachhandel angeboten. Bei trockener Lagerung kann man sie sehr lange aufheben. Das so erzielte Pulver kommt in eine Art großen Salzstreuer.

Gefüttert wird hier direkt auf den Bodengrund. Darin liegt auch die große Gefahr einer zu reichlichen Fütterung. Verdorbenes Springschwanzfutter lässt die recht kleinen Substratvolumen sehr schnell komplett umkippen. Die Springschwanzpopulation geht dann rasant zurück. Hier hilft nur rigoroses Entsorgen und ein Neuansatz.

Auch wachsen manchmal wunderschöne Pilzgebilde in den Dosen (Abb. 9). Auch hier hilft letztlich nur eine Komplettentsorgung des Inhaltes.

Die Entnahme aus einer gut gefüllten Schale ist nicht ganz so einfach wie beim Abklopfen der Tiere vom Presskork. Ich halte die Dose in das Terrarium und puste vorsichtig hinein. Mit ein wenig Übung schafft man es so, die leichten Springschwänze in das Terrarium zu befördern.

Ein weiteres Futter-Rezept für die Springschwänze ist im Folgenden aufgeführt.

 

  • 15g Paprikapulver edelsüß
  • 10 g Erbsen
  • 5g Bierhefe
  • 10g Trockenhefe
  • 10g Spirulina-Pulver
  • 20g Dinkel-Vollkornmehl
  • 170g Kartoffelpüree (2 Tüten)

 

 

Literatur:

ANOMYM (2009) in BriBri - The Froggers Journal, Herausgeber Benjamin Schwarz + Michael Kronenberg, diverse Autoren, Zucht einheimischer Springschwänze, S. 88-91

BRUSE Frank, Dr. MEYER Michael, SCHMIDT Wolfgang (2003, 2008): Praxis Ratgeber Futtertiere; Artenteil - Springschwänze: S. 49 - 54

CHRISTMANN, S (2004): Dendrobatidae - Baumsteigerfrösche- Die phantastische Reise durch Ecuador - Peru - Kolumbien, Band 3, S. 317

DIVOSSEN, H (2002): Faszination Pfeilgiftfrösche - Journal 2002, Die Springschwanzzucht, S. 54-57

DOST, Uwe (2010): Springschwänze, wertvolles Futter für Aquarienfische und Amphibien, DATZ 06/2010, S. 14-17

FRIEDERICH Ursula, VOLLAND Werner (1981, 2005): Futtertierzuchten - Lebendfutter für Vivarientiere, 4., aktualisierte Auflage, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart, S. 65 - 70

HORN Heinz (1965): Kleine Futterkunde für den Aquarienfreund, URANIA-VERLAG Leipzig Jena Berlin, S. 129-131

OTT, G (1999): Kleine Anflugnahrung: Springschwänzchen (Collembola), DATZ 02/1999, DATZ Praxis, S. 6-8

 

 

©2008 Kaktusfisch ; letzte Änderung 27.09. 2015