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Fruchtfliegen, Drosophila:

 

"Drosophila sind einfach zu züchten."

So jedenfalls die weitverbreitete Meinung zu diesen Futtertieren. Durch all die Jahre habe ich aber immer wieder grosse Probleme mit meinen Zuchten gehabt. Dabei waren es die verschiedensten Sachen, welche mich oft schier zur Verzweiflung trieben.

Hierbei war das massenhafte Auftreten von Milben das Schlimmste. Das führte soweit, dass ich schon durch das bloße Berühren der Fliegendosen einen unangenehmen Juckreiz auf der Haut verspürte. Dabei halte ich mich nicht besonders überempfindlich gegenüber den ganzen sechs- oder achtbeinigen Krabbeltieren.

Milben sind nach meinen Erfahrungen sehr an die jeweilige Fliege bebunden. So schaffe ich es auch mit den grössten Anstrengungen nicht, bestimmte Arten milbenarm zu züchten. Andere Arten scheinen nicht so empfänglich für einen Milbenbefall zu sein.

 

"Ameise"
"Blondie"
"Halbflieger"
"Hydei "Golden"
"D. hydei"

 

Aus diesem Grund vermehre ich zur Zeit nur noch zwei Arten. Das sind die sogenannte "Ameise" und der "Halbflieger" eine mittelgrosse Fliege, die zwar grundsätzlich flugunfähig ist aber immer wieder fliegende Individuen hervorbringen kann. Alle anderen Arten sind wieder aus meinen Zuchten "geflogen".

Man bekommt heute glücklicherweise mehr Sorten der Fruchtfliegen angeboten als noch vor einigen Jahren. Somit kann man für sich selbst die Fliegen heraussuchen, mit deren Zucht man am besten zurecht kommt.

Ob es wirklich "milbenfreie" Kulturen gibt, kann ich nicht sagen. In vielen Dosen, auch von gewerblichen Züchtern tummeln sich die kleinen Plagegeister.

Nach langen Standzeiten werden auch in meinen Zuchten Milben sichtbar. Ein Erfolgsrezept ist sicher ein regelmäßiges Ansetzen neuer Kulturen verbunden mit der rechtzeitigen Entsorgung der alten Ansätze. Eine schnelle Kulturfolge der Fliegen begrenzt das Auftreten der Milben.

 

(1) Spritzschutzabdeckung
(2) Lüftungsfläche am Fliegenbecher

 

Da ich mich einfach nicht an die Becher mit der Strumpfabdeckung gewöhnen kann, die mir zu umständlich und unpraktisch sind, habe ich lange eine bessere Alternative gesucht.

Nachdem ich hierbei die unmöglichsten Dinge ausprobiert hatte, kam ich auf die 1 Liter Plastikgefäße für lösliche Teegetränke. Diesen Tee gibt es in fast allen Supermärkten in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Die Dosen haben farbige Plastik-Schraubdeckel, die sich mit einem Akku-Schrauber und einem Kreisbohrer recht einfach mit einem großen Lüftungsloch versehen lassen.

Aus einer Spritzschutzabdeckung für Pfannen (Abb. 1), die es in der Haushaltswarenabteilung zu kaufen gibt, schnitt ich mit einer normalen Schere in den Deckel passende Lüftungsgitter. Die Abdeckungen sind aus Aluminium (Abb. 2) und dadurch einfach zu bearbeiten, sehr haltbar und gut zu säubern.

Genau so eine billige und recht effiziente Möglichkeit ist es, Einweg-Hygienebekleidung aus der Lebensmittelindustrie etwas zweckentfremdet zu verwenden. Hier gibt es Kopfbedeckungen oder ganze Kittel, die man sich passend zuschneiden kann.

Da die Dosen später gereinigt und wieder verwendet werden, lege ich vor dem Einfüllen des Fliegenbreis ein Stück Haushaltspapier auf den Boden. Darauf kommt dann ca. 2-3 cm hoch der selbst zusammen gerührte Brei (Abb. 3).

Für mein Zuchtsubstrat nehme ich:

 

  • 2,5 Würfel Frischbackhefe (1Würfel = 42g)
  • 250 Gramm Apfelmus
  • 1 Tüte Kartoffelpüree
  • 500 ml Wein-Branntwein-Essig
  • 1/2 Esslöffel Zucker
  • 1 Prise Salz

 

Mit diesen Mengen bekomme ich 7-8 Dosen gefüllt. Das Rezept ist einfach und sehr gut. Nach langen Suchen und Ausprobieren habe ich eine Mischung gefunden, in denen die Fliegen sich sehr gut vermehren und die nicht verschimmelt. Dazu ist der Brei ohne grossen Aufwand herzustellen und auch kostenmäßig durchaus im Rahmen bleibend. Sämtliche Zutaten dafür befinden sich sowieso im Haushalt oder können beim Discounter bezogen werden (Abb. 3).

Natürlich kann man auch diverse zusätzliche Zutaten untermischen. In Gemüsesaft stecken z.B. diverse Vitamine, die man den Fliegen damit anbietet.

Mit etwas mehr Kartoffelpüree stellt man dann die nötige Konsistenz wieder her. Dabei muss man aber darauf achten, dass der Brei nicht zu dick wird. Idealerweise läuft er leicht vom Löffel (Abb. 5).

Haferflocken nehme ich nicht mehr. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man beim Kauf dieser Flocken gratis Milbeneier miterwirbt.

 

(3) Zutaten für den Fliegenbrei
(4) fertig angerührte Masse

 

Nach dem Einfüllen des Breis wird die Dose mit lockerer Holzwolle aufgefüllt (Abb. 6) und einen Tag stehen gelassen. In dieser Zeit bildet sich auf der Substratoberfläche ein Film. Dieser bewahrt die Fliegen später davor einzusinken und zu ertrinken.

Nachdem eine Anzahl Fliegen, aus einem reifen Fliegenglas, eingefüllt wurde kommen die neuen Ansätze bei etwa 25°C in den Froschkeller. Wird mit zuwenig Fliegen begonnen, kommt die Kultur nicht recht in Gang und bricht sehr schnell zusammen. Sind die Bedingungen optimal, erscheinen schon ein paar Tage später die ersten Maden im Brei.

Die verwendete Hefe führt nicht zu einer Geruchsbelästigung. Erst wenn die Kultur erschöpft ist, stellt sich ein wenig unangenehmer Geruch ein. Da jedoch regelmäßig neu angesetzt wird, werden diese Zuchten dann immer rechtzeitig entsorgt.

Die Fliegen können gut direkt durch die Abdeckung im Deckel gefüttert werden. Dazu nehme ich Sanostol Multivitaminsaft, den ich mittels einer Pipette in die Dose tropfe. Ohne den Fliegen eine vollwertige Nahrung zu geben, sollen sie nicht viel mehr als Ballaststoffe beinhalten. (Divossen, 2006)

 

(5) die Gläser werden befüllt
(6) fertige, frische Fliegenansätze

 

Das beim Hantieren mit den Fliegen, gerade von den Halbfiegern immer mal einige entweichen, lässt sich nicht verhindern. Bei kalter Witterung reichen vor dem Öffnen der Dose oft schon ein paar Minuten im Freien um die Fliegen in ihrer Bewegungsfähigkeit stark einzuschränken. Im Raum selbst erwehre ich mich einer möglichen Fliegenplage mit einigen Klebe-Fliegenfängern. Auch eine Bananenscheibe in einer Schale mit einer Wasser/Seife/Essig Mischung zieht die Flieger magisch an.

Das Ergebnis sind aktiv nach ihren Futtertieren jagende Frösche und nicht um die recht unbeweglichen "Flugunfähigen" sitzende Tiere, die sich einen Brocken nach dem anderen ins Maul holen.

Wenn es trotzdem nicht mit einer ergiebigenFliegenzucht funktionieren sollte, hat die allwissende Bild natürlich auch hier eine Erklärung dafür:

 

Ausschnitt aus der Bild vom 07.07.2012

 

Ein weiteres Rezept möchte ich hier noch anfügen.

Die Herstellung läuft genauso ab, wie beim ersten Rezept und auch die Behälter sind die selben wie oben beschrieben.

Komplett anders sind, bis auf das Kartoffel-Püree, allerdings die Zutaten.

Die Mengenangaben sind auf zwei Tüten Kartoffelpüree hochgerechnet.

 

  • 4g Trockenhefe
  • 22g Spirulina-Pulver
  • 41g Bierhefe
  • 52g Zucker
  • 165g Kartoffelpüree (2 Tüten)
  • 806 ml Wasser

 

(8) Trockenhefe
(9) Bierhefe

 

(10) Zucker
(11) Spirulina-Algenpulver

 

(12) Wasser
(13) Kartoffel-Püree

 

Hefe, Bierhefe, Zucker und Spirulina werden zusammen mit dem Wasser in eine Schüssel gegeben. Mit dem Mixer wird alles durchgerührt.

Die ganze Sache ist noch recht flüssig und man sollte vorsichtig rühren da die Spirulina-Alge hässliche grüne Flecken hinterlässt.

Anschließend wird beim Rühren das Kartoffel-Püree zugegeben. Es entsteht jetzt ein zäher Brei der gerade noch vom Löffel herunter geht.

Mit dieser Menge befülle ich sechs Gläser zu je ~180g. Dabei steht die Masse etwa 3cm hoch im Glas und wird wie bisher mit Holzwolle aufgefüllt.

Das Ergebnis sind massenhaft sich vermehrende Fliegen.

Ein herzliches Danke an meinen Freund Volker für dieses Rezept.

 

(14) die recht zähe Masse
(15) befüllte Gläser

 

 

Literatur:

BRUSE Frank, Dr. MEYER Michael, SCHMIDT Wolfgang (2003, 2008): Praxis Ratgeber Futtertiere; Artenteil - Kleine und Große (flugunfähige) Fruchtfliege: S. 60 - 66

 

EMMERT Ullrich (1954): Drosophila melanogaster, ein vergessenes Fischfutter, in DATZ, 7.Jahrgang, Januar 1954

 

DIVOSSEN Harald (2006): Faszination Pfeilgiftfrösche - Erfahrungen mit kleinen Pfeilgiftfröschen. Eigenverlag: 3. Auflage S. 35

 

DOST, Uwe (2012): In der Küche verflucht, im Terrarium geliebt: Fruchtfliegen, in REPTILIA Nr.98, Dezember 2012/Januar 2013, Seite 68 - 75

 

DOST, Uwe (2015): Tau-, Obst- oder Essigfliegen (1), in DATZ, 68.Jahrgang, November 2015, Seite 53 - 57

 

DOST, Uwe (2015): Tau-, Obst- oder Essigfliegen (2), in DATZ, 68.Jahrgang, Dezember 2015, Seite 50 - 53

 

HORN Heinz (1965): Kleine Futterkunde für den Aquarienfreund, URANIA-VERLAG Leipzig Jena Berlin, S. 122 - 129

 

WAGEMANN Marco: (2006): Die Zucht der Kleinen Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) - viele Wege führen zum Erfolg, DRACO Lebendfutter Nr.28, S. 42-49

 

FRIEDERICH Ursula, VOLLAND Werner (1981, 2005): Futtertierzuchten - Lebendfutter für Vivarientiere, 4., aktualisierte Auflage, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart, Seite 132 - 139

 

 

©2008 Kaktusfisch ; letzte Änderung 03.03. 2016