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Malawi:

 

Dreimal war ich bisher Gast in diesem wunderschönen Stück Afrika. Selbstverständlich war für uns der See die Hauptattraktion des Landes. Aber auch viele andere Sachen, die wir zu sehen bekamen ließen uns nicht dümmer werden.

 

Geschichte

 

Etwa 6000 Jahre v.Chr. leben im südlichen Afrika kleine Gruppen von Steinzeit Buschmännern als Sammler und Kleintierjäger. Um 1390 entsteht auf dem Gebiet des heutigen Malawi das Königreich der Maravi das bis ins 18.Jahrhundert Bestand hat.

Um 1500 drangen die Portugiesen von der ostafrikanischen Küste kommend in dieses Reich vor. Sklavenhandel und Stammeskriege beherrschten die Region vor der europäischen Kolonisierung. Die begann 1859, als der Engländer David Livingstone das Ufer des Malawisees betrat. Livingston schlug damit die Expedition des Deutschen Dr. Roscher, der den See erst zwei Monate später erreichte. Dieser hatte aber wenig Zeit seinen Frust zu verarbeiten, denn er wurde kurz darauf ermordet. So war das damals mit dem Reisen in Afrika.

1891 wird Malawi das britisches Protektorat "Zentralafrika", 1907 wird dieses in die Kolonie Njassaland umgewandelt. Die Unabhängigkei erlangt das Land 1964 und der erste Präsident wird Hastings Banda der aber bald eine regelrechte Diktatur einrichtet, die erst 1993 endet.

 

Der heutige Staat Malawi

 

Die Republik Malawi ist ein Staat in Südostafrika mit einer Fläche von 118.484 km². Im Jahr 2004 lebten in der Hauptstadt Lilongwe 512.000 Menschen. Insgesamt hatte das Land zu diesem Zeitpunkt ca. 11.500.000 Einwohner und erreichte damit eine Bevölkerungsdichte von 98 pro km² - Tendenz steigend.

Die Zeit wird im Vergleich zur MEZ um eine Stunde vorgestellt.

Energie wird hauptsächlich durch Wasserkraft erzeugt und auch das Telefonnetz wird immer dichter. Als Bodenschatz gibt es ein wenig Bauxit. In der Landwirtschaft wird Mais, Tabak, Tee und Zuckerrohr angebaut. Naturgemäß leidet der Anbau unter der Trockenheit. Die Landessprache ist Chichewa, Englisch ist Amts- und Geschäftssprache.

 

Lage und Klima

 

Das Land Malawi grenzt im Norden und Nordwesten an Tansania, im Osten, Süden und Südwesten an Mosambik und im Norden und Nordwesten an Sambia. Weite Ebenen, Hochplateaus und der drittgrößten See Afrikas, prägen das Land.

Die Regionen sind dabei recht unterschiedlich. Während die Ebenen sehr trocken sind, präsentieren sich die Hochplateaus sehr waldreich. Das Klima ist stark von der jeweiligen Höhenlage abhängig, es reicht von Feuchtsavannen im Süden über Trockensavannen bis zu tropischem und subtropischem Wüstenklima im Norden. Auf den Hochplateaus ist das Klima relativ gemäßigt und im Vergleich zu den Uferregionen des Sees recht erträglich.

 

Zufluß zum Malawisee während der Trockenzeit
üppige Vegetation am Zomba Plateau

 

 

Südlich des Malawisees erstreckt sich die Zomba-Hochebene.

In einem fast heimisch wirkenden Laubwald sahen wir Farne, Moose und Orchideen als Aufsitzerpflanzen auf vielen Bäumen. Dazu wachsen an den Bachufern übermannshohe Farnpflanzen. Es gibt keine Jahreszeiten wie wir sie in Mitteleuropa gewöhnt sind, sondern einen Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Von Mai bis September ist das Wetter kühl und regenlos. Die Monate September und Oktober sind heiß und trocken, die Regenzeit dauert von November bis April. wobei es zu plötzlichen und sehr heftigen Gewittern kommt, wie ich es selbst miterlebt habe.

 

Der Malawisee

 

Viele Wissenschaftler vermuten die Ursache, für die Entstehung des Grabenbruches in dem der heutige See liegt, in ähnlichen Vorgängen wie sie die Abtrennung Südamerikas und Madagaskars von der Scholle des heutigen Afrikas bewirkt haben. Afrika reißt an dieser Stelle auseinander und in ferner Zukunft wird der Graben vom Meerwasser überflutet werden.

Das flächenmäßig recht kleine Land Malawi bildet die komplette West- und Süd- sowie einen kleinen Teil der Ostgrenze des Malawisee´s, der einer der großen Grabenseen im südöstlichen Afrika ist.

 

Insel Thumbi West von Süden aus gesehen
Mbenji Island von Norden gesehen

 

 

Er wird in Bezug auf seine Größe in Ostafrika nur noch vom Tanganjikasee und dem Viktoriasee übertroffen. Mit ca. 600 km Länge und einer max. Breite von 80 km ist er der neuntgrößte See der Erde. Der See liegt auf 474 m über Normalnull, ist an einigen Stellen bis 700 m tief und umfasst eine Fläche von 29.000 km². Dabei ist der Wasserstand im See stark schwankend.

Da durch die fehlende vertikale Wasserbewegung unterhalb 200 m kein gelöster Sauerstoff vorhanden ist kommen Wirbeltiere nur in den oberen Wasserschichten vor. Der einzige abfließende Fluß ist der Shire im Süden, der eine Länge von ca. 400 km hat.

Trotz Eintrübungen in der Regenzeit gehöhrt der Malawisee mit zu den klarsten Süßwasserseen der Welt. Die Temperatur des Oberflächenwassers sinkt selten unter 23°C, der pH-Wert liegt zwischen 7,8 und 8,5 und der elektrische Leitwert beträgt etwa 230 MikroSiemens.

Der See ist ein fantastisches Naturereignis. Aber viel weniger Menschen in der ganzen Welt würden Malawi kennen gäbe es nicht den imposanten Fischreichtum im See. Je nach Auffassung der Definition des Artbegriffes gibt es 1600 verschiedene Fischarten die hier heimisch sind, knapp 360 davon sind endemisch, also nur hier vorkommend. Die Buntbarsche bevölkern inzwischen weltweit die Süßwasser-Aquarien. Da der See früher Njassasee genannt wurde hießen auch meine ersten Fische aus dem See noch Njassasee-Buntbarsche.

 

Unsere Gastgeber

 

Während unserer bisherigen Aufenthalte in Malawi waren wir zu Gast bei der Familie Grant. Der ehemalige Beamte der englischen Kolonialverwaltung hat direkt am See sein LAKE MALAWI CICHLID CENTER aufgebaut. Dieses war Ausgangspunkt für unsere Fahrten nach Namalenji, Maleri, Cape Mc Lear, Mbenji, Likoma, Shire River, Chiofu und zum Zomba-Plateau. Ohne die Hilfe von Esther und Stuart Grant wäre es uns wohl nicht möglich gewesen so viele Stellen im Land zu erreichen. Nicht vergessen will ich das gute Essen in Esther`s Red Zebra Cafe.

 

Esther Grant
Stuart M. Grant

 

 

Angefangen hat Stuart mal mit einem Camper direkt am Seeufer. Da er heute einer nicht unbedeutenden Zahl von Leuten Arbeit gibt, ist er mittlerweile auch ein ernstzunehmender wirtschaftlicher Faktor in Malawi. Als zweites Standbein soll neben dem Zierfischexport verstärkt der Touristikzweig aufgebaut werden. Dafür wurden auf dem Anwesen der Grant`s Gästehäuser errichtet. In das Cichlid Center kommen die, von verschiedenen Fangteams rund um den See gefangene Fische. Dabei wird nicht wahllos gefangen sondern nur nach Auftrag. In der Station werden die Fische zwischengelagert und nach Bedarf für den Versand verpackt. Dann gehen sie mit dem Flugzeug in die ganze Welt. Wie es nach Stuart Grants Tod weitergeht kann ich nicht vorhersagen. Ich hoffe das ein Weg gefunden wird sein Werk irgendwie weiter zu führen.

 

Gefahren

 

Vorsichtig sollte man beim Baden und Schnorcheln an sumpfigen oder mit Schilf bestandenen Stellen sein. Zwei kämpfende Nilpferde habe ich selbst, 1997 in der Senga-Bay gesehen. In diesem Fall wäre es reiner Selbstmord gewesen mit einem Boot diesen Bereich des See`s zu befahren. Aber auch vor anscheinend friedlich im Wasser liegenden Tieren machen die Einheimischen einen großen Bogen. Auch wenn die Tiere im See immer wieder abgeschossen werden sind sie im Shire recht zahlreich vorhanden. Von hier können sie dann immer wieder in den See einwandern.

 

Flußpferde im Shire River
Nilkrokodil

 

 

Krokodile habe ich im See selbst nie gesehen. Unsere Schnorchelplätze, die meißt an felsigen Stellen liegen, sollen aber auch nicht gerade das bevorzugte Areal dieser Tiere sein. Ganz ausschließen kann man dies aber nie. Zumindest auf Likoma soll es noch ein paar dieser Echsen geben die sich, meißt in der Dämmerung, auch mal einen Dorfhund als Mahlzeit holen. Aber auch Menschen sind schon von Krokodilen getötet worden. Als Beispiel soll hier der deutsche Mittarbeiter einer Fangstation an der tansanischen Ostküste genannt werden. Vor einigen Jahren schwamm er an einem Schilfufer entlang das wohl im Jagdgebiet eines sehr großen Krokodils lag. Das dieses Tier nach dem Verschwinden des Mannes gefunden und getötet wurde, konnte dem Opfer nicht mehr helfen. Nur seine sterblichen Überreste konnten noch aus dem Tier geborgen werden (mündl. Erzählung eines der damaligen Betreibers der Fangstation). Und in den Schilfgürteln und Flußmündungen in der Nähe der Buchten bei Chiofu an der Ostküste leben diese großen Echsen sicherlich auch. Das Gebiet ist für sie, nach menschlichen Ermessen eigentlich wie geschaffen. Man trifft sie hier wohl nicht da sie zu anderen Zeiten als wir, hauptsächlich in der Dämmerung im Wasser sind.

 

junger Waran in einem Betonbecken im Cichlid Center
mir unbekanntes ca. 3 cm großes Krabbeltier

 

 

Die Warane die ich bisher gesehen habe waren alle sehr scheu und Schlangen sind mir bisher nicht begegnet. Die wahren Gefahren sind aber wesentlich unscheinbarer. Schistosoma, ein Trematode der von Schnecken übertragen wird und die als Bilharziose bekannte Krankheit auslöst und die weibliche Anophelesmücke die der Zwischenwirt für die Malaria ist, sind ein nicht zu vernachlässigender Gefahrenherd.

 

Schistosoma Larve
Anopheles Stechmücke

 

 

Während man den Trematoden noch aus dem Weg gehen kann, in dem man nicht an den gefährlichen Stellen ins Wasser geht, ist das bei den Mücken schon schwieriger. Es summt und schwirrt eigentlich ständig um einen herum und man kommt mit dem Totschlagen kaum nach. Mehr lästig als gefährlich sind die Seafly´s die zu bestimmten Zeiten in riesigen Schwärmen über den See ziehen. Größere Insekten waren bisher recht friedlich zu uns.

 

Seafly`s im Anflug auf Likoma
große Vogelspinne in unserem Schlafraum

 

 

Auch die Vogelspinne die bei uns im Schlafraum an der Wand hing, hat uns nichts getan, was sie allerdings nicht vor ihrem eigenen Schiksal bewahrte. Am nächsten Morgen schlug sie der schwarze Hausdiener mit dem Besen tot. Bei unserem Besuch 2005 kam ein Skorpion direkt aus der Wäscherei in einer frisch gewaschenen Hose zu uns auf`s Zimmer.

Aber der Stich der meißten Malawi-Skorpione sei nur für Kinder und alte Leute gefährlich, wurde uns gesagt und der stark brennende Schmerz mit einem Hochprozentigen innerlich behandelt.

 

abgestürtzter LKW-Auflieger
weggeschwemmte Brücke

 

 

Nicht zu vernachlässigen dagegen sind die Gefahren, die vom ganz normalen Strassenverkehr in Malawi ausgehen. Da kann es schon einmal passieren, dass eine Brücke über einen zu querenden Fluß die letzte Regenzeit nicht überstanden hat. Alternativ ist dann ein Damm aus Bruchsteinen in Drahtkäfigen aufgeschüttet. Den kann man in der Trockenzeit auch recht gefahrlos befahren. Wie man das dann aber in der nächsten Hochwasserperiode machen soll, ist mir ein Rätsel geblieben.

Warum dagegen an vielen Brücken die Geländer nicht mehr vorhanden sind, kann man auf dem Bild links oben sehen. Aber auch plötzlich auftauchende, achsenmordende Schlaglöcher können einem den Spaß an der schnellen Fortbewegung nehmen. Und die wahren, alltäglichen Gefahren sind sowieso meist viel unscheinbarer. Siehe unten.

 

Steckdosen in Malawi
E-Schaltkasten in Malawi

 

©2008 Kaktusfisch ; letzte Änderung 17.11.2008